RZ-Zukunft liegt in der Wolke
Wie Cloud Computing in die Unternehmens-IT passt und wie Grid und Virtualisierung das RZ der Zukunft prägen werden – das waren die Top-Themen auf der COMPUTERWOCHE-Konferenz „Data Center 2009“.
Cloud Computing – das klingt noch sehr fern, und doch soll es schon bald die IT und die Rechenzentren grundlegend umkrempeln, wie auf der ComputerwocheKonferenz „Data Center 2009“ am 29. April in Offenbach zu hören war. Entsprechende Erkenntnisse aus Studien und Anwenderbefragungen präsentierte Eröffnungsredner Peter Burghardt, Geschäftsführer des Analystenhauses Techconsult, zu Beginn der Veranstaltung. Er rechnet unter anderem mit einer verringerten Komplexität der IT und TK-Infrastrukturen, einer flexibleren Skalierung von Ressourcen sowie geringeren Betriebskosten. Burghardts Fazit lautete, dass die in der Wolke bereitgestellten Dienste keinesfalls die Unternehmensrechenzentren in ihrer Existenz gefährden, weil auch zukünftig unternehmenskritische Ressourcen nicht nach außen verlagert, sondern mit internen Ressourcen verzahnt werden.
Verteilte Rechenlast
Manfred Schulz von VMware erklärte anschließend, wie das neue Betriebssystem vSphere als Grundlage für firmeninterne Cloud-Services dienen kann. vSphere vereint viele x86Server zu einer großen, virtuellen Maschine und bringt Verwaltungsmechanismen mit, um die Rechenlast dynamisch zu verteilen – bei hohem Bedarf auf viele Maschinen, bei geringem Bedarf auf wenige. Dass sein Unternehmen schon vor dem Cloud-Hype mit RZ-basierenden Services im Mark präsent war, unterstrich Michael Pauly von TSystems. Bereits 2004 startete der rosa IT-Anbieter mit Dynamic Services und reklamiert für sich, die weltgrößte SAP-Installation mit einer 9TBDatenbank in einer dynamischen HostingUmgebung bereitzustellen. „Die IT steht vor einem radikalen Umbau der IT-Infrastuktur“, prognostizierte Günther Stürner von Oracle in seinem Referat. Als Auslöser nannte er Faktoren wie steigende Energiekosten, Generationswechsel beim Personal, Komplexität der heutigen Infrastrukturen, geringe Effizienz und massiven Kostendruck. Aus seiner Sicht wird Enterprise-Grid-Computing der Schlüssel zum Meistern dieser Aufgaben – in Kombination mit Virtualisierungstechniken.
Zertifizierung durch den TÜV
Wie ein Energieversorger mit Hilfe von IT einerseits den Energieverbrauch in der Wirtschaft und den Privathaushalten senken helfen und andererseits seine eigene IT effizienter machen kann, schilderte anschließend Matthias Mehrtens, CIO der Stadtwerke Düsseldorf. Um seine Rechenzentren zu optimieren, hat sich Mehrtens als erster Anwender einer neuen RZZertifizierung des TÜV unterzogen, mit deren Hilfe eine langfristige Optimierung des Betriebs erreicht werden soll. Anschließend erklärte Steffen David, Geschäftsführer der IPB Internet Provider Berlin GmbH, wie sich die Effizienz von bestehenden Rechenzentren mit einfachen Mitteln wie einer Freikühlung verbessern lässt. Davids Erkenntnisse basieren auf einer gemeinsam mit der TU Berlin betriebenen Studie. Danach beschrieb David Gabel, CIO der Sellbytel Group, in seinem Vortrag, wie er in seinem Unternehmen mit Hilfe von Virtualisierung die IT-Effizenz steigern und die Zeit für die Bereitstellung von Services drastisch reduzieren konnte. Zum Abschluss des Konferenztages gab Ulrich Terrahe, Inhaber der dcce RZ-Beratung, den Teilnehmern noch wertvolle Tipps für den Aufbau eines betriebssicheren Rechenzentrums mit nach Hause. Zu den Einzelaspekten zählten das Wissen um die Lasten im RZ, die kontrollierte Luftzuführung, Messpunkte und Messgeräte, Stromverteilung und echte Redundanz. Im Hinblick auf eine kostenoptimierte RZ-Planung lautete Terrahes Fazit: „Ungenaue Herstellerangaben und zu großzügige Kalkulation führen in vielen Fällen zu völlig überdimensionierten, energiefressenden Klimaanlagen.“
Wolfgang Miedl
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