Windows Azure: Microsoft sieht seine Zukunft in der Wolke

Erstveröffentlichung am 20.11.2008 in ChannelPartner

Fenster SchliessenDeutlich wie nie hat Chief Software Architect Ray Ozzie sein Unternehmen und die Softwareentwickler auf der PDC Ende Oktober auf Web-basierende Services eingeschworen. Die erste große Neuigkeit betraf das zukünftige Cloud-Betriebssystem ‚Windows Azure‘. Azur wird aus fünf Servicebausteinen aufgebaut sein, von denen drei von bekannten Server-Produkten abgeleitet sind – nämlich SQL Services, Sharepoint Services und Dynamics Services. Hinzu kommen noch .NET Services und Live Services. Microsoft möchte insbesondere Entwicklern den Umstieg so leicht wie möglich machen und bietet dazu vier neue Templates für Visual Studio an. Das programmieren von Cloud-Software soll sich damit nur unwesentlich von dem klassischer Applikationen unterscheiden. Eine erste lauffähige Anwendung mit Web, Mobile und Rich-Client wurde bereits vorgeführt.

Windows 7 soll besser einschlagen als Vista

Betrieben wird die Azur-Plattform ausschließlich in Rechenzentren von Microsoft. Gemäß dem seit einiger Zeit propagierten Software+Services-Konzept soll Azure in gewissem Umfang auch einen Mischbetrieb aus Hosting und lokaler Installation (on premise) unterstützen. Unter ist dabei vorgesehen, eine bei Microsoft gehostete Cloud-Anwendung zu einem anderen Hoster oder in eine lokale Unternehmensumgebung zu migrieren.

Einige Beobachter fühlten sich an die glücklosen ‚NET Myservices‘ Codename ‚Hailstorm‘ – erinnert, die auf der PDC 2001 vorgestellt wurden. Schon damals stand ein umfangreiches Set an gehosteten Softwarekomponenten zur Verfügung. Diese sollten von Entwicklern in eigene Programme integriert und über das Web angesprochen werden können. Aufgrund mangelnder Akzeptanz stellte Microsoft sein erstes Cloud-Projekt später wieder ein.

Windows in der "Wolke"

Als weiter Überraschung präsentierten die Redmonder ihr Office-Flaggschiff erstmals als Browser-Anwendung. Office Web Applications umfasst Word, Excel, Powerpoint und Onenote, die Oberflächen sind denen der PC-Pendants nachempfunden inklusive der Ribbon-Menüleiste. Die Anwendungen laufen in jedem Browser, ein installiertes Silverlight-Plugin soll ein Plus an Funktionalität bringen. In Sachen Lizenzierung gibt sich Microsoft noch zurückhaltend. Laut Senior Vice President Chris Caposella sollen Privatanwender das Web-Office über Werbe- oder Abomodelle erhalten. Lizenzoptionen für Unternehmen bleiben noch unklar, wobei Caposella klarstellte, dass sich aus Sicht des Partnervertriebs nichts grundlegendes an ändern werde.

Kompatibler und leistungsfähiger

Die dritte große Ankündigung der Konferenz war die greifbarste: Der Vista-Nachfolger Windows 7 wurde erstmals in allen Details gezeigt und den Konferenzteilnehmern danach als Vor-Betatestversion auf DVD ausgehändigt. Das Ende des viel-gescholtenen Vista ist damit besiegelt, auch wenn die Redmonder vorerst weiter für die Migration auf Vista trommeln. Der kommende Hoffnungsträger wartet mit einer Fülle an Verbesserungen und Neuheiten auf, von denen sich viele erst auf dem zweiten Blick offenbaren. Aus Endanwendersicht hilft insbesondere die völlig neu gestaltete Taskleiste bei der täglichen Arbeit, Bibliotheken verbessern die Desktopsuche und auch das Managen von Geräten und Netzwerken gestaltet sich nun übersichtlicher und intuitiver.

Mehrfach priesen die Microsoft-Manager auch die ausgiebigen Optimierungsmaßnahmen zur Leistungssteigerung. Vor dem Hintergrund des aktuellen Netbook-Booms bestand hier akuter Handlungsbedarf, denn viele OEMs meiden bisher das leistungshungrige Vista und installieren stattdessen Windows XP oder gar Linux. Um Bedenken zu zerstreuen, zeigte Windows-Chef Sinofski ein Lenovo-Netbook mit Atom-CPU und betonte, dass Windows 7 dafür optimal geeignet sei.

Auch in Sachen Kompatibilität soll das neue Windows freundlich zu Herstellern und Unternehmenskunden sein. Da der Systemkern auf Vista basiere, seien bei den Gerätetreibern keinerlei Unverträglichkeiten gegenüber dem Vorgängersystem zu befürchten. Lediglich bei bestimmten Anwendungen wie Antivirensoftware oder virtuellen Maschinen, die tief in das System eingreifen, könne es zu Problemen kommen.

In Sachen Erscheinungstermin kursieren in Branchenkreisen allerlei Spekulationen. Von einem inoffiziellen Termin Mitte 2009 ist die Rede, damit OEMs noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2009 Ihre PCs produzieren können. Nach einer Beobachtung der CP-Schwesterzeitschrift PC-Welt könnte der Termin sogar noch früher liegen. Zitiert wurde dabei eine Aussage auf der Website der Windows Hardware Engineering Conference (WinHEC) 2008. Demnach soll es vor Erscheinen von Windows 7 keine weitere WinHEC mehr geben. Die nächste WinHEC ist allerdings schon für Mai 2009 angesetzt – also müsste das neue Betriebssystem dann schon komplett sein. In Redmond dürfte man sich auf einen arbeitsreichen Winter eingestellt haben.

Wolfgang Miedl

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